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Von starken Frauen

Blickt man in die lange Geschichte des Roten Turms, stösst man immer wieder auf bemerkenswerte Frauen, ohne die wahrscheinlich überhaupt nichts funktioniert hätte – zumindest nicht eine Anhäufung von Anekdoten. Wir haben drei solche besondere Frauen ausgewählt. Der Turm war nämlich – hinter den Kulissen – oft in Frauenhand.

Der Rote Turm kann auf eine äusserst bewegte und vor allem lange Geschichte zurückblicken. Erste schriftliche Nachrichten über den Roten Turm finden sich bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Es gilt jedoch als unbestritten, dass die einstige Herberge und Taverne wesentlich älter sein dürfte. Ein gelungenes Beispiel einer nicht sonderlich beherrschten Frau findet sich in der Familie Gleitz, deren Mitglieder von 1637 bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Turmwirte tätig waren. Der letzte Turmwirt aus dieser Familie, ein gewisser Leutnant Franz Karl Gleitz, führte den Turm zusammen mit seiner Schwester Anna-Maria Gleitz. Die Dame, den Ratsprotokollen aus dieser Zeit nach war sie eine «ehrsame Jungfrau», schien keinen besonderen Wert auf verbale oder gar vermittelnde Konfliktlösungen zu legen. Vielmehr zog sie eine eher rabiate Art vor.

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Übelste Beschimpfungen
1710 erhob der Stadtleutnant Gugger gegen die streitbare Jungfer sogar Klage. Grund: Er wurde in einer der vorhergehenden Nächte Opfer eines heimtückischen Angriffs der Turm-Co-Wirtin. Der arme Kerl: Lediglich seiner Arbeit nachkommend, wies er eine Schar Zecher zurecht, die grölend und randalierend aus dem Roten Turm torkelten. Anna-Maria brachten allerdings weniger die betrunkenen Lärmlieferanten als vielmehr der Ordnungshüter auf die Palme. Sie deckte den Stadtleutnant mit übelsten Beschimpfungen ein. Doch dem nicht genug: Die offensichtlich völlig aus dem Häuschen geratene Wirtin entledigte sich auch gleich noch des Inhalts ihres Nachttopfs. Getroffen hat sie dabei den Scharwächter, einen Begleiter Guggers. Die Ratsprotokolle drücken das Geschehene freilich etwas vornehmer aus, wenn sie sagen, dass die Frau den Scharwächter gar «mit Nachtwasser beschüttete».

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Lebenslange harte Arbeit
In der Geschichte etwas weniger weit zurückblicken müssen wir für die Familie des Ernst Marti-Kissling, ebenfalls eine der legendären Turmwirt-Familien. Hier blieben der Nachwelt keine Nachtwassergeschichten erhalten. Vielmehr liest sich die Geschichte der Familie wie eine blumige Definition lebenslanger harter Arbeit. Das Familienwappen zeigt denn auch neben zwei Sternen am Himmel vor allem eins: Werkzeug. Ernst Marti und Elise Kissling

heirateten im Jahre 1900. Zu diesem Zeitpunkt war Ernst Marti bereits in verschiedenen Ämtern tätig und hatte nach dem frühen Tod seiner Mutter das «Bad Klus», einen Gasthof mit zugehörigem Bauernbetrieb und Bierdepot übernommen. Der Gasthof, das Land, die Bierlieferungen in die ganze Region: Die harte Arbeit forderte ihren Tribut und Marti erlitt eine schlimme Magenblutung. Elise, die starke Frau an seiner Seite, pflegte ihn aufopfernd. Später zog die Familie nach Solothurn, wo sie 1914 den Roten Turm übernahmen, dessen Besitzer sie später wurden. Als Ernst Marti während des Ersten Weltkriegs einrücken musste, führte seine Frau das Hotel. Ein Knochenjob. Denn es galt nicht nur die Bauern, die auf den Markt kamen, zu verköstigen und zu beherbergen, sondern sich auch noch um deren Pferde zu kümmern. Elise Marti erarbeitete sich rasch den Ruf einer vorzüglichen Wirtin.

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Erste Frau in der Hotelfachschule Lausanne
Eine der Töchter von Elise und Ernst war Fanny Schleeh-Marti. Hier fand das Sprichwort mit dem Apfel und dem Baum Geltung: Fanny besuchte in den Jahren 1925 und 1926 als erstes Mädchen überhaupt die Hotelfachschule in Lausanne. Vater Ernst erhielt allerdings am 25. Januar 1926 einen mahnenden Brief der Schule. Im Schreiben beschwert sich ein Vertreter der Schule über die häufigen Abwesenheiten und Verspätungen von Fanny.

Fannys Disziplin an der «Ecole professionnelle de la Société Suisse des Hôteliers» sollte allerdings ihren beruflichen Werdegang und Erfolg nur
unwesentlich beeinflussen. 1932 heiratete sie Hans Schleeh, den sie in der
Hotelfachschule kennen gelernt hatte. Zusammen übernahmen sie das Hotel
Mont Blanc in Morges. Ihr Mann starb allerdings früh und Fanny führte das
Hotel alleine weiter. Ab 1940 bekam sie Hilfe ihrer Eltern, die den Roten Turm in Solothurn verpachtet hatten.

© Hotel Roter Turm, 4500 Solothurn