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Altes Foto Dornachia
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Schon fast schützend stellt sich der legendäre Turmwirt Marti neben seine Tochter, die von Studenten umringt wird.

Ein mitternächtliches Saufgelage

Die Studentenverbindung «Dornachia Solodorensis» und den Roten Turm verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, gespickt mit viel Anekdoten und gegenseitiger Freundschaft. Eine dieser Episoden handelt von einem dreisten Einbruch, einem darauf folgenden Saufgelage und schliesslich einer Reise hinter Gitter.

Es ist zunächst eine Nacht wie jede andere im Solothurn der 1930-er Jahre: Still und einsam liegt das Aarestädtchen in mitternächtlicher Ruhe. Die Gassen sind dunkel, silbernes Mondlicht scheint über die Giebel der altehrwürdigen Häuser. Die Stadt schläft. Die ganze Stadt? Nein, unter dem Zeitglockenturm versammelt sich ein Grüppchen schattenhafter Gestalten in merkwürdigen, uniformartigen Gewändern. Das Ziel ist klar: Das Restaurant «Roter Turm». Man muss wissen: Der besondere Stolz jeden Dornachers ist sein tief unter dem Turm gelegenes Kneiplokal mit zahlreichen Wandmalereien und dem vielhundertblättrigen Stammbaum.


Ab in den Keller ...

In diesem legendären Kellerlokal steht eine Kiste Schnaps bereit – ein Geschenk eines Dornacherfreundes aus dem Entlebuch. Die Kiste übt eine derart magnetische Anziehungskraft auf die Brüder aus, dass sich einer aus ihrer Mitte trotz verrammelter Türen – das Restaurant hat schon geschlossen – auf den Weg ins Innere macht. Der Couleurbruder (Name der Redaktion bekannt) klettert kurzerhand die Fassade hoch, steigt durch ein offenes Fenster und öffnet seinen Kumpanen die Tore des Turms von innen. Die Schar begibt sich sogleich in den Keller und macht sich über die Spirituosen her. Prost!


... und anschliessend in die Gaststube.

Mit zunehmender Stimmung wird auch der Unternehmungsgeist der Studenten kühner. Sie beschliessen, dass noch lange nicht genug sei und man sich dem freudenspendenden Bier in der Wirtschaft zuwenden müsse. Doch auch die Gaststube ist verriegelt und der Wirt lässt sich trotz Höllenlärm nicht in seinem
wohlverdienten Schlaf stören. Eine Lösung muss her! Und sie wird auch gefunden: In Form eines Speiseaufzugs, der direkt in die Wirtschaft führt. Ausgerechnet ein grossgewachsener Mittrinker zwängt sich in den kleinen Lift und macht sich auf den Weg vom Keller ins Erdgeschoss. Der erste Versuch schlägt allerdings fehl, doch schliesslich gelingt es der munteren Schar, die Gaststube in Beschlag zu nehmen. Das Bier strömt vom Hahnen, die Stimmung kennt keine Grenzen.


Widerstand gegen die Staatsgewalt ist zwecklos

Dumm sind die Studenten sicher nicht. Aber zumindest unvorsichtig. Denn das Toben in der Gaststube weckt die Polizei beim Posten nebenan. Die Beamten gehen natürlich davon aus, dass hier Einbrecher am Werk sind. Die Dornacher bemerken, dass Unheil naht, und fliehen kurzerhand in den kleinen Flaschenkeller. Doch auch hier sind unsere trinkfreudigen Protagonisten nicht sicher, reissen diese doch zahlreiche Flaschen unter lautem Geklirre von den  Regalen. Bleibt nur noch die Flucht in den Hof und von dort auf die Heubühne. Hier wähnt sich die Runde unter schützendem Stroh in Sicherheit. Doch weit gefehlt: Einer nach dem anderen wird herausgefischt. Was folgt, ist eine ordentliche Standpauke des Rektors und der Aufenthalt im Karzer, der damals üblichen Arrestzelle in Universitäten und Schulen. Wie lange die Studenten da zugebracht haben, ist nicht überliefert. 
Zum Ausnüchtern hat's aber sicher gereicht.