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Olga vierjährig

Alles begann mit einer Bratwurst

Der Turm war im Laufe seiner langen Geschichte immer wieder mit interessanten und vielschichtigen Persönlichkeiten verbandelt. Eine von ihnen ist Olga Fröhlicher aus Solothurn. Die heuer 97-Jährige erinnert sich an ihre erste Bratwurst im Roten Turm nach getaner Arbeit – vor etwa 90 Jahren. Heute ist die Dame Miteigentümerin des Turms.

Solothurn, ein sonniger Tag anfangs der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts: In der Stadt war Markt und damals wie heute herrschte ein wildes Durcheinander von Menschen, Gerüchen, Farben und Geräuschen. Und mittendrin: Die damals knapp zehnjährige Olga, die mit ihrem Onkel extra für den «Märet» die weite Reise von Oensingen nach Solothurn unternommen hatte. «Die beiden fuhren mit dem Bipperlisi – damals von der Zeit her eine halbe Weltreise.»

Olgas Familie besass in Oensingen viel Land und einen grossen Hof. Einer ihrer beiden Onkel, die den Hof bewirtschafteten, war Jahre zuvor durch einen Unfall erblindet und hatte sich seither mangels Alternativen die Bürstenmacherei zum Hobby gemacht. Währenddessen tat sich Klein-Olga schon damals als kluges Kind mit viel Zahlenflair hervor. Schliesslich sollte sie später den grössten Teil ihres Berufslebens als Buchhalterin im Baugeschäft ihres Mannes verbringen – doch wir wollen nicht vorgreifen.


Verantwortung wurde entlöhnt
Ihrem Onkel entging natürlich nicht, dass das Mädchen mit Zahlen umgehen konnte. Und so kam es, dass die Kleine mit dem blinden Onkel und einem Korb voller Bürsten in die Stadt reiste. Da der Onkel ja blind war, hatte Olga die Verantwortung fürs Portemonnaie. Olga Fröhlichers Erinnerungen sind allerdings zu schwach, um Angaben über die Qualität der Bürsten oder sogar eine Umsatzzahl an diesem Tag zu machen. Eines allerdings weiss sie noch heute: Zu Mittag gab es eine Bratwurst – im Roten Turm. Gleich nebenan hatten die beiden ihren Stand, den sie von der Stadt für diesen Markttag gemietet hatten.

Dieser einmalige Helfer-Kassier-Einsatz für den blinden Onkel war also die erste Begegnung Olgas mit dem Roten Turm. Man stelle sich die Dimensionen eines solchen Tages im Kontext der damaligen Zeit vor: Eine Reise von Oensingen nach Solothurn, auswärts essen und die ganze Pracht des Solothurner Marktes. Kein Wunder also, dass sich dieser Tag tief in Olga Fröhlichers Erinnerungen eingebrannt hat.

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Marktszene in Solothurn um 1920

Der Kreis schliesst sich
Machen wir einen Sprung auf der Zeitachse: Als Olga Fröhlicher – damals noch Schnyder – im Dezember 1934 als junge Frau eine Stelle als Bürofräulein beim Baugeschäft Fröhlicher in Solothurn annahm, konnte sie noch nicht ahnen, dass sich ein paar Jahre später ein Kreis schliessen würde. Nach einiger Zeit im Geschäft wurde einer der Junior-Chefs auf die gewandte und fleissige Bürodame aufmerksam. Aus der Aufmerksamkeit wurde bald mehr und im Juli 1952 heirateten Guido und Olga Fröhlicher. Als zu dieser Zeit dann der Rote Turm zum Verkauf stand, gründeten die Familien Fröhlicher die Turm AG und kauften das Hotel Roter Turm. Nach einem grossen Umbau feierte man anfangs der 1960er–Jahre die Eröffnung.

Heute ist Olga Fröhlicher noch immer Aktionärin der Turm AG, also Mitbesitzerin jenes Hauses, wo sie vor bald 90 Jahren mit dem blinden Onkel eine Bratwurst gegessen hatte.

Diese Turmgeschichte erschien im Jahre 2011 im «Turmwächter». Kurz nach der Publikation ist Olga Fröhlicher verstorben.
© Hotel Roter Turm, 4500 Solothurn